Station A: Stadtpfarrkirche & Kommende

Den ersten gesicherten Nachweis des Johanniterordens in der unmittelbaren Umgebung von Fürstenfeld liefert uns eine Urkunde aus dem Jahr 1197, mit welcher der Salzburger Erzbischof die Johanneskirche in Übersbach den Johannitern übergab. Den Bestand einer Kirche und eines Stützpunktes des Johanniterordens in Fürstenfeld selbst bezeugt erstmals eine Urkunde aus dem Jahr 1232. Die Johanniter dürften bereits im Zuge des Ausbaus und der Befestigung von Fürstenfeld zu Beginn des 13. Jahrhunderts von Herzog Leopold VI. ein Grundstück an der geplanten Befestigungsanlage zugewiesen bekommen haben, auf dem sie neben ihrem Bruderhaus, das auch als Hospiz verwendet werden sollte, ein Spital und eine Kirche, die das Johannespatrozinium erhielt, errichten durften. Für den Landesfürsten brachte die Ansiedlung des Ordens nämlich den Vorteil, dass die Johanniter, die sich im Heiligen Land als Burgenbaumeister einen Namen gemacht hatten, sich nicht nur seelsorgerisch und karitativ um die Bevölkerung kümmerten, sondern auch zur Errichtung von Wehrbauten und zur Verteidigung gegen Feinde eingesetzt werden konnten. Eine aktive Beteiligung der Johanniter am Fürstenfelder Stadtmauerbau des 13. Jahrhunderts kann heute jedoch nicht mehr festgestellt werden. Auffällig ist zumindest ihre Ansiedlung an dieser so exponierten Stelle.

Ansiedlung der Augustiner

Da die Kommende wirtschaftlich sehr rege tätig war, gab es schon bald heftige Gegensätze zwischen dieser und den Fürstenfelder Kaufleuten, die die Johanniter als Konkurrenten ansahen. Als Resultat aus den andauernden Streitereien mit der Kommende erbaten die Fürstenfelder Bürger von Herzog Rudolph IV. die Ansiedlung der Augustiner Eremiten, die im Jahr 1362 genehmigt wurde. Das Verhältnis zwischen den Johannitern, welche die Stiftung anfangs als Einbuße ihrer Einnahmen ansahen, entspannte sich im Lauf der Zeit und so wurden sogar häufig Augustiner von der Kommende als Stadtpfarrer eingesetzt.

Die Kommende wurde im Jahr 1603 ausgebaut, jedoch bereits zwei Jahre später durch den Haiduckeneinfall ein Raub der Flammen. Der damalige Komtur Heinrich von Logau ließ die Kommendengebäude daraufhin mit eigenen Mitteln wieder errichten und begann auch mit der Wiederherstellung der Pfarrkirche, die ebenfalls geplündert und verwüstet worden war. Die Kirche dürfte sich damals als schmale lange Halle mit einem vorgebauten Torturm an der Westseite und einer Apsis an der Ostseite präsentiert haben. Auf dem Vischerstich von 1681 ist dieser Westturm mit einem Doppelfenster zu sehen, wie es auch bei anderen romanischen Kirchtürmen üblich ist. Als Dach besaß der Turm ein steiles Zeltdach.

Spätbarocker Umbau 1772 bis 1778

Von dieser ursprünglichen Kirche des 13. Jahrhunderts ist heute nichts mehr vorhanden, während die gotische Bauphase durch die späteren Zubauten des 14. Jahrhunderts (Ostchor, Ostturm und alte Sakristei) bis heute sichtbar blieb. Die derzeitige Gestalt erhielt die Kirche durch den spätbarocken Umbau durch Leopold Ainspinner in der Zeit zwischen 1772 und 1778. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges fielen die Dächer der Kirche und des Turms einem Brand zum Opfer. Diese Schäden konnten erst 1947 behoben werden. Der Zwiebelturm der Kirche wurde gar erst 1988 durch eine private Initiative wiedererrichtet.Die Kommende hingegen wurde schwer beschädigt und in der Nachkriegszeit nicht mehr in der ursprünglichen Größe aufgebaut.


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