Station 09: Feistritzwall

Grenzfluss – dieses Attribut gebührt der Lafnitz schon seit Jahrtausenden. Noch heute trennt der im steirischen Joglland entspringende Fluss zwischen den Gemeinden Lafnitz und Rudersdorf die Steiermark vom Burgenland.

Grenzfunktion schon in der Bronze- und Urnenfelderzeit

Eine echte Grenzfunktion hatte das Flussgebiet der Lafnitz wahrscheinlich bereits in der Bronze- und Urnenfelderzeit (2200 bis 1300 v. Chr. bzw. 1300 bis 800 v. Chr.). Damals entstand erstmals ein einheitlicher mittelsteirischer Kulturbereich, dessen Merkmal Höhensiedlungen waren. An der östlichen Grenze der heutigen Steiermark entwickelte sich ein ganzer Gürtel solch befestigter Anlagen – als wichtigste sind Ring bei Hartberg, Kulm bei Weiz, Riegersburg und Königsberg bei Tieschen zu nennen. Auch im Fürstenfelder Buchwald lassen sich Spuren einer typischen urnenfelderzeitlichen Siedlung erkennen. Die Errichtung derart beeindruckender Befestigungen weist auf gravierende überregionale Geschehnisse hin, die ein Bedürfnis nach Schutz auslösten. In vielen Fällen wurden an der Stelle der meist urnenfelderzeitlichen Höhensiedlungen im Mittelalter Burgen errichtet. In der Latènezeit (ab dem 5. Jahrhundert v. Chr.) geriet die Steiermark unter keltischen Einfluss. Die Ostgrenze des Königreiches Norikum folgte ebenfalls der Lafnitz. Auch für die römische Provinz Norikum bildete die Lafnitz die östliche Grenzlinie, sie war jetzt jedoch nur mehr eine reine Verwaltungsgrenze innerhalb eines Weltreiches. Dies änderte sich ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. durch die Völkerwanderung. Damals wurden die Mittel- und Oststeiermark weitgehend verlassen und aufgegeben.

Ab 1043 endgültig die Grenze für die Mark

Im 9. Jahrhundert dürfte ein Großteil der heutigen Oststeiermark zu Karantanien und damit zum karolingischen Reich gehört haben, nachdem die Karantanerslawen (sie wanderten in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts ins Ostalpengebiet ein) aufgrund militärischer Hilfeleistungen gegen die Awaren in bayrische Abhängigkeit geraten waren. Diese erste Landnahme durch bayrische Siedler fand jedoch durch die Magyareneinfälle ab 894 ein Ende, die gesamte heutige Oststeiermark wurde dem ungarischen Herrschaftsgebiet eingegliedert und verödete fast völlig. Das Grenzgebiet zwischen Ungarn und dem ottonischen Reich war damals vermutlich der Mons Predel, also der Hügelzug östlich von Graz. Durch den Sieg Kaiser Ottos I. in der Schlacht am Lechfeld im Jahr 955 wurde die Ungarngefahr gebannt. Als Schutz gegen neuerliche Ungarneinfälle richtete man einen Gürtel aus Grenzmarken ein, darunter die Karantanische Mark in der heutigen Weststeiermark. Diese konnte vermutlich im Jahr 991 bis zur Lafnitz erweitert werden. Jedoch dürfte die Niederlage König Konrads II. bei Wien im Jahr 1030 der Grund dafür gewesen sein, dass wieder der Mons Predel zur Ostgrenze der Mark wurde. Bereits 1043 konnte aber König Heinrich III. bei seinem Ungarnfeldzug die Lafnitz endgültig als Grenze für die Mark respektive für das Reich sichern und damit die großangelegte Besiedlung der Oststeiermark ermöglichen. Ab etwa 1165 begann man schließlich, die Grenze durch zusätzliche Sicherungs- und Wehrmaßnahmen zu schützen. Dazu gehört die Gründung Fürstenfelds ebenso wie die Errichtung weiterer Grenzburgen (zum Beispiel Blumau, Neudau, Burgau, Klöch) und die Entstehung zahlreicher Rittersitze in den neu gegründeten Dörfern.

Veränderung im Flusslauf verschob die Grenze

Da sich der Lauf der Lafnitz in den Jahrhunderten veränderte, kam es auch zu einer Verschiebung der Grenze gegen Ungarn. Ende des 17. Jahrhunderts rückte beispielsweise der Grenzfluss näher an Fürstenfeld, wodurch sich auch die Grenze des Herzogtums an die Stadt heranschob. Die Lafnitz blieb bis 1921, als das Burgenland von Westungarn abgetrennt wurde und zu Österreich kam, die östliche Außengrenze der österreichischen Länder.


Zurück zur Auswahl Festungsweg Fürstenfeld

websLINE-Professional (c)opyright 2002-2017 by websLINE internet & marketing GmbH
You are using an outdated browser. For a faster, safer browsing experience, upgrade for free today.