Station 08: Schlossbastei

Der Superintendent Francesco Thibaldi (Thebaldi) verlangte bereits 1565 die Errichtung einer Bastei in der Nordostecke der Stadt direkt beim Schloss Stein, da dieses „ploß vnd vnbewerdt“ sei. Es dauerte allerdings noch zwei Jahre bis mit der Anschüttung des Erdwalls in diesem Bereich begonnen wurde. 1569 wurde die Schloss- oder Steinbastei von Thibaldi nach dem Modell von Lazarus von Schwendi ausgesteckt und zu mauern begonnen. Die Arbeiten wurden vor allem durch Francesco Marmoro (Franz Marbl) und Dominicus von Kham (Cam, Facon) durchgeführt. 1571 mauerten sie noch gemeinsam den Vorbau gegen das Ungartor sowie die Mauer gegen den Safrangarten.

12 Meter hohe Festungsmauern

Der Superintendent Salustio Peruzzi verfügte im darauf folgenden Jahr eine Verstärkung der Grundmauern sowie einen steileren Böschungswinkel bei den Festungsmauern, die 12 Meter hoch errichtet werden sollten. Ende 1572 war die Seite vom Haupteck der Bastei bis zum Safrangarten in einer Länge von 75 Meter  nahezu zwei Meter hoch aufgemauert. Auch die Kurtine zur Kommende war damals bereits weit gediehen. Anno 1573 erledigte Meister Dominicus die weiterführenden Arbeiten alleine, da Francesco Marmoro inzwischen zum Polier und damit zu seinem Vorgesetzten aufgestiegen war. Ab 1574 stand ihm jedoch mit Meister Hans Marbl dessen Sohn zur Seite. 1575 war sie dann auf der Seite gegen das Ungartor komplett, samt Kasematten und Vorbau fertig. Im folgenden Jahr arbeitete neben Meister Hans Marbl nunmehr Meister Benedikt von Cam (Facon), die nun den Vorbau und die Kurtine zur Kommende hin fertig stellten. Auch die dortigen Kasematten samt Stiegenaufgängen wurden damals aufgemauert. Mit der Eindeckung derselben zog es sich hin, weshalb der neue Bauzahlmeister Leonhard Seyringer am 1. November 1577 der Landschaft schrieb, es sei „ain grosse Notturfft [...] die gewelber in der Pastein bej dem schloß oder die gäsämadta, wie es den die walchen nenen [...], Zudeckhen“. Im finanzschwachen Jahr 1578 wurde das erledigt und auch die Brustwehr errichtet, womit die Schlossbastei schließlich fertig war und mit der Ungarbastei auf der Ostseite von Fürstenfeld korrespondierte. Die zur späteren Mühlbastei weiterführende Kurtine wurde allerdings nicht gemacht und nur die mittelalterliche Ringmauer mit einem Wehrgang versehen. Der bereits 1575 fertiggestellte Vorbau war für Verteidigungszwecke, gemessen an den gegenüberliegenden Hügeln, viel zu niedrig ausgefallen. Dies wurde 1639 bei der Beurteilung der Festung durch Giovanni Pieroni bekrittelt, der lapidar vermerkte, dass der Bastei „noch sehr viel bis zur gebührenden Höhe fehlt“. Trotz der geringen Höhe ermöglichte diese so genannte Vorbastei im Stadtgraben, dank ihrer vorspringenden rechten Flanke, eine effektivere Bestreichung der Ostseite der Festungsanlage. Dennoch blieb sie Stein des Anstoßes, wie der Aufriss des Festungsbauoberingenieurs Martin Stier aus dem Jahre 1657 belegt. Hierbei kritisierte er, dass die Schlossbastei zu klein geraten sei, ihre Flanken zu kurz wären und die Vorbastei von der gegenüberliegenden Anhöhe unter Feuer genommen werden könne, weshalb man die Errichtung eines Kavaliers auf der Schlossbastei empfahl, der jedoch nie ausgeführt wurde. 1664 wurde schließlich das alte Schloss am Stein, dessen Baufälligkeit bei der Bevölkerung von Fürstenfeld seit Jahrzehnten Thema war, abgerissen.

Tabakfarbik im Schloss Stein und der Schlossbastei

Nach dem Abebben der Türkengefahr trat auch bei der Schlossbastei immer mehr der zivile Nutzen in den Vordergrund. 1727 wurde dann berichtet, dass sie zu verfallen beginne. Mit der Auflösung der Festung 1775 verlor sie ihre militärische Bedeutung. 1776 erwarb der Staat das Gelände des ehemaligen Schlosses Stein und errichtete dort eine Tabakfabrik, die auch die angrenzende Schlossbastei übernahm. Diese wurde in der Folge von einem Gebäudekomplex überbaut, der u.a. als Lager- und Garagengebäude genutzt wurde.


Aussichtspunkt Eisenbrücke

Bemerkenswert ist die ebenfalls denkmalgeschützte ATW-Brücke, die sich über den Stadtgraben spannt. Diese wurde in den Jahren 1884 bis 1886 von der k.k. priv. Maschinenfabrik und Eisengießerei J. Körösi aus Graz-Andritz (Vorgängerfirma der heutigen Andritz AG) ausgeführt. Ihre Gesamtlänge (von Widerlager zu Widerlager) beträgt ca. 65 Meter, wobei die Oberkante des Stegbodens ca. 18 Meter über dem Talboden der Feistritzgasse liegt. Das Brückentragwerk besteht dabei aus einer Stahlkonstruktion in genieteter Ausführung, die auf drei hohen Stützen in Form von vierstieligen Fachwerkstützen ruht.


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