Station 07: Die Grenzstadt

Fürstenfeld wurde im 13. Jahrhundert zur Grenzstadt ausgebaut und sollte gemeinsam mit Fried­berg, Hartberg und Radkersburg sowie den zahlreichen Burgen der Oststeiermark helfen, die immer wieder von den Magyaren gefährdete Ostgrenze des Landes zu sichern. Die beiden Eroberungen, welche die Stadt im Mittelalter erleiden musste, hatten jedoch mit den Magyaren nichts zu tun. 1469 gelang es dem krainischen Söldnerführer Andreas Baumkircher, der vor der Stadt eine verlustreiche Schlacht gegen die Truppen Kaiser Friedrichs III. austrug, nur durch Verrat in Fürstenfeld einzudringen. Und im Jahr 1480 konnten die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus die Stadt allein deshalb mit Brandpfeilen anzünden, einnehmen und beinahe auslöschen, weil sich die von Friedrich III. entsandten Entsatztruppen aus Graz und Marburg unterwegs in den Weinkellern so sehr betranken, dass sie von den Ungarn überrumpelt werden konnten.

1529: Erste große Schäden durch die Türken

Im selben Jahr 1480 fielen auch erstmals die Türken ins Gebiet der heutigen Steiermark ein und sollten mit ihrem außergewöhnlichen Expansionsdrang und dem riesigen Militärapparat für die kommenden zwei Jahrhunderte die größte Bedrohung für die österreichischen Länder werden. Beim Rückzug des türkischen Heeres nach der ersten Belagerung Wiens im Jahr 1529 erlitt die Fürstenfelder Umgebung großen Schaden. Die Herrschaften Burgau und Neudau sowie die Kommende Fürstenfeld hatten zahlreiche tote und verschleppte Untertanen zu beklagen, die Felder waren verwüstet und die Häuser geplündert oder verbrannt worden. Im Sommer 1532, als die Türken erneut gegen Wien vorstießen, verheerten die „Renner und Brenner“ wieder die Umgebung der Stadt.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts formierte sich ein Adelsaufstand unter Stefan Bocskay als Reaktion auf die gegenreformatorischen Maßnahmen Kaiser Rudolfs II. in Siebenbürgen und Ungarn. Die Haiducken, wie die ungarischen Aufständischen genannt wurden, überschritten am 26. Mai 1605 unter der Führung von Georg Nemethy die Grenze und nahmen zwei Tage später kampflos Fürstenfeld ein. Hier hatte man zwar versucht, die mangelhafte Befestigung durch Palisaden zu verstärken, dem Ansturm der Haiducken war man jedoch nicht gewachsen. Die Bürger flüchteten aus der Stadt, als sie die Ausweglosigkeit der Situation erkannten – und sogar die Zugbrücken blieben offen. Fürstenfeld wurde daraufhin geplündert und angezündet. 92 Häuser wurden ein Raub der Flammen, darunter das damalige Rathaus mit dem Archiv, das Augustinerkloster und die Kommende. Zahlreiche Menschen in Fürstenfeld und Umgebung wurden getötet oder verschleppt und Vieh geraubt. Der Gesamtschaden für die Stadt betrug über 27.000 Gulden, für die Kommende mehr als 45.000 Gulden. Auch die Stadtmauern hatten durch die Brände stark gelitten. Besonders beim Ungartor waren die Ringmauern eingefallen, sodass man zu ebener Erde in die Stadt kommen konnte, die außerdem noch äußerst schlecht bewacht war. Um den Wiederaufbau zu ermöglichen und den völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch zu verhindern, wurde Fürstenfeld von der Landschaft ein Steuernachlass gewährt – jedoch nur widerwillig, da die Bürger die Stadt kampflos den Feinden überlassen hatten – und im Hinblick auf die in Zukunft zu erwartenden Steuern.

1683: Erster Kuruzzen-Einfall in der Steiermark

Im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts entstand in Ungarn unter der Führung von Emmerich Thököly eine neue antihabsburgische Widerstandsgruppe, die Kuruzzen (= Kreuzscharen). Sie wurden von den Franzosen und Türken im Kampf gegen die Habsburger unterstützt. Im Juli 1683 fielen die Kuruzzen in die Steiermark ein und brannten südöstlich von Fürstenfeld die Bachmühle, die Gillersdorfermühle, einen Meierhof und Stadl auf der Mitterbreiten und einige Häuser in Dietersdorf nieder. Fürstenfeld selbst war zu diesem Zeitpunkt mehr oder weniger ungerüstet, denn am 13. Juni 1683 hatte ein Blitz in den Pulverturm hinter der Augustinerkirche eingeschlagen. Bei der Explosion von 250 Zentnern Pulver waren das Kloster und die Augustinerbastei schwer beschädigt und die meisten Häuser arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Schon acht Tage später, am 21. Juni, schlug der Blitz erneut ein und setzte acht Häuser an der Südseite des Hauptplatzes in Brand. Angesichts der beschädigten Befestigungsanlage, durch die der Feind ohne Schwierigkeiten in die Stadt hätte gelangen können, wollten die zum Schutz vor den Kuruzzen angerückten kaiserlichen Truppen gleich wieder mit Proviant, Geschützen und Rüstung abziehen. Dies konnte der Fürstenfelder Stadtrichter Georg Schedenegg von Ehrenegg jedoch verhindern. Im August 1683 rückten 400 Krainer Schützen unter dem Befehl des auch als Geschichtsschreiber bekannten Johann Weichard Valvasor an. Dieser berichtet, dass die Kuruzzen Speltenbach und einen Stall in der Vorstadt (= Ledergasse) anzündeten, dann aber durch das Dragonerregiment des Grafen Saurau zurückgedrängt werden konnten. Im September 1683 wurde die Abwehr bei Fürstenfeld schließlich noch durch kroatische Truppen unter der Führung des Freiherrn von Stadl verstärkt. Die Kuruzzen zogen daraufhin Richtung Hartberg ab.

Kuruzzen verlangten von Fürstenfeldern "Brandsteuer"

Im Jahr 1703 wuchs neuerlich die Gefahr eines Kuruzzeneinfalls in der Steiermark. Um 1700 hatte sich nämlich eine weitere Gruppe unter der Führung von Franz II. Rákóczi und Baron Alexander Károlyi gebildet, die im Jänner 1704 in der Untersteiermark einfiel und im Juli 1704 ihr Lager in Kaltenbrunn aufschlug. Am 25. Juli 1704 forderten die Kuruzzen von den Fürstenfeldern die Zahlung einer „Brandsteuer“, wenn die Stadt verschont bleiben sollte. Als die Fürstenfelder Aufschub erbaten, verwüsteten die Kuruzzen die beiden Augustinermeierhöfe und die Rennmühle, zogen jedoch an der Stadt vorbei und fielen plündernd, brennend und mordend ins Feistritz- und Ilztal und entlang der Lafnitz und Safen ein. Drei Tage später, am 28. Juli 1704 verlangte Alexander Károlyi neuerlich die Zahlung einer „Brandsteuer“ innerhalb von 24 Stunden in Form von 1000 Gulden, einem Stück holländisches Tuch und einem Pfund Goldfaden. Die „Klosterherren“ (Malteser) sollten 3000 Gulden, drei Stück purpurfarbenes Seidentuch und drei Kartons karmesinrote Seide Lösegeld bezahlen. Die Fürstenfelder stimmten den Zahlungen zu, baten jedoch um zeitlichen Aufschub, da die Regierung Hilfe durch eine kroatische Truppe zugesagt hatte, die schließlich am 6. August eintraf. Mitte August konnten die Kuruzzen nochmals in die Gegend um Fürstenfeld vordringen. Das damals geraubte Vieh holten sich die Fürstenfelder in einem Gegenraubzug unter dem Kommando des Stadtrichters Johann Georg Kropf wieder zurück, wobei sie Kaltenbrunn und Rudersdorf plünderten und brandschatzten. Die Stadt Fürstenfeld selbst blieb also von diesen Kuruzzeneinfällen und auch von denen der Jahre 1706 und 1707 verschont. Die Lafnitzgrenze wurde „verhackt“ und mit Tschartaken (Wachttürmen aus Holz) befestigt, sodass ein leichter Grenzübertritt nicht möglich war. Feldmarschall Sigbert Graf Heister, dem Schloss Kirchberg an der Raab gehörte, konnte die Kuruzzen schließlich zurückdrängen und entscheidend schlagen. Der Friedensschluss vom 1. Mai 1711 beendete die Kuruzzengefahr.

Franzosen und Zweiter Weltkrieg

Zwei Mal rückte noch der Krieg an Fürstenfeld heran. Anfang des 19. Jahrhunderts waren es die Franzosen, die 1805 das erste Mal in Fürstenfeld standen und unentgeltlich verpflegt werden mussten. Im Juni 1809 besetzte dann der französische General Macdonald, nachdem Kaiser Franz I. den Franzosen den Krieg erklärt hatte, die Stadt. Bis Anfang des Jaheres 1810 verblieben die letzten Franzosen im Land, die jedoch nur minimale Schäden in der Stadt verursachten. Anders gelagert war die Sache Ende des Zweiten Weltkrieges, als die Rote Armee anrückte. In den letzten Tagen des Krieges entstanden daher massive Schäden an der Kommende, dem Grazer Tor, der Stadtpfarrkirche sowie zahlreichen weiteren Gebäuden. Bis August 1945 war Fürstenfeld von den Russen besetzt. Danach folgten die Briten, die bis 1955 in der Stadt verblieben.


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