Station 06: Aussichtsplattform Ungarbastei

Der Festungsbau des 16. Jahrhunderts brachte Fürstenfeld und seinen Bürgern aus wirtschaftlicher Sicht sowohl Nutzen als auch Schaden. Als die Arbeiten unter der Leitung des Domenico dell’Allio im Jahr 1556 begannen, fanden verschiedenste Arbeiter und kleinere Handwerksbetriebe wie Schmiede, Zimmerleute, Schlosser oder Tischler Beschäftigung. Während die Professionisten zum Großteil aus Italien stammten, wo man im Bereich des Festungsbaus einen großen Wissensvorsprung gegenüber dem übrigen Europa hatte, waren viele Männer und Frauen aus Fürstenfeld selbst oder aus der näheren Umgebung bei den Festungsbauarbeiten beschäftigt. Daneben kamen zahlreiche Arbeiter von weit her, um sich ihr Leben beispielsweise als Tagwerker, Dammmacher, Steinbrecher, Stein-, Kalk-, Ziegel- und Sandführer, Sandwerfer oder auch Wasserschöpfer zu verdienen. Als Herkunftsorte finden sich unter anderem Pettau, Klagenfurt, Passau, Retz, Pola oder Wasserburg.

Lebensmittel zu überhöhten Preisen

Unter den Arbeitern herrschten jedoch oft Hunger und materielle Not, da die Fürstenfelder Versorgungsbetriebe in der gesteigerten Nachfrage aufgrund der Bautätigkeit eine gute Gelegenheit für höhere Einnahmen sahen. Man scheute sich nicht, den Tagwerkern die Lebensmittel zu weit überhöhten Preisen anzubieten. Der Komtur Jakob von Gloyach setzte sich daraufhin in einem Brief vom 20. März 1573 bei der Landschaft für die „armen Tagwercher und Maurer“ ein, die sich weder Brot, Fleisch noch Wein leisten konnten, da beispielsweise das Pfund Fleisch in Fürstenfeld sieben Pfennige kostete – so viel wie nirgendwo sonst in der Umgebung. Dazu kam, dass die Tagwerker ihren Sold in Paulinern ausbezahlt bekamen, welche die Fürstenfelder nicht als Zahlungsmittel anerkannten. Man drohte schließlich damit, von Fürstenfeld wegzugehen und sich anderswo Arbeit zu suchen, falls sich an dieser Situation nichts ändern sollte. Neben den heimischen Nahrungsmittelproduzenten profitierten naturgemäß auch die Ziegeleien vor Ort und die Besitzer der Steinbrüche in Stadtbergen, die gemeinsam mit anderen als Materiallieferanten fungierten.

Besitz durch Festungsbau verloren

Viele Fürstenfelder hatten durch den Festungsbau natürlich auch den Verlust ihres Besitzes hinzunehmen. So musste beispielsweise Jonas von Wilfersdorf im Jahr 1569 seinen zwischen dem Kloster und der Pfeilburg gelegenen ritterlichen Turm in der Stadtmauer abtragen lassen. Als Ersatz baute er sich etwas abseits das imposante Wilfersdorfer Freihaus, das zwischen 1651 und 1848 als Rathaus und danach als Bezirksgericht diente. Weit schlimmer hatte es den blinden Kilian Glanser getroffen, der 1567 durch den Abbruch seines Hauses im Zuge des Wallbaues in ärgste Not geraten war. Als Entschädigung erhielt er schließlich 14 Pfund. Eine ähnliche Situation erlebten viele Fürstenfelder fast hundert Jahre später, als im Jahr 1663 aufgrund der drohenden Türkengefahr die Schleifung der Grazer Vorstadt mit ihren 26 Häusern und dem Schloss Falbenhaupt innerhalb von acht Tagen befohlen wurde. Da die ehemaligen Vorstadtbürger nun in der Stadt untergebracht werden mussten, hatten die Besitzer bisher unverbauter Flächen diese zur Verbauung zur Verfügung zu stellen.


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