Station 04: Ungarbastei / Bunker

Die zweite Ecke der mittelalterlichen Stadtbefestigung, die durch eine flankierende Bastion verstärkt wurde, war die Südostecke. Dort begann man unter dem Superintendenten Domenico dell’Allio im Jahre 1562 mit der Errichtung der größten Bastei der Fürstenfelder Befestigung, die man aufgrund ihrer Ausrichtung nun als Ungarbastei bezeichnete. Nach dell’Allio‘s Tod im Jahre 1563 führte vor Ort sein Polier Bartolomeo Viscardo den weiteren Ausbau durch. Hierbei wurde die alte Stadtmauer teils abgebrochen, teils in die neue Bastei integriert. Der Superintendent Francesco Thibaldi (Thebaldi) verlangte 1565, dass die Ungarbastei aus Mauerwerk aufzuführen sei. Im darauf folgenden Jahr waren dann die Arbeiten so weit gediehen, dass der Steinhauer Meister Peter de Lantio die Grundfesten für die Kasematten errichten konnte. 1568 war das Bollwerk bereits bis zur Brustwehr fertig gestellt, während man an den Kasematten noch eifrig arbeitete.

Schwere Baufehler machten Konstruktion brüchig

Allerdings stellte damals der Polier Meister Baptista della Torre fest, dass bei der Errichtung schwere Baufehler unterlaufen waren. Neben schlechtem Baumaterial, wie schlecht gebrannten Ziegeln, die bei Kälte zersprangen, hatte man auch vergessen die Grundmauern und Bastionsecken mit Hausteinen zu befestigen. Dies resultierte einzig aus der Feindschaft der ausführenden Maurermeister Bartlmä da Silva, und Antonio Capuzo (Anthony Cepusch) und Francesco Marmoro (Franz Marbl), die so heftig miteinander zerstritten waren, dass sie nicht einmal mehr miteinander redeten. Durch die fehlende Zusammenarbeit war die fast 20 Meter hohe Konstruktion brüchig geworden und ihre Mauern wiesen tiefe Sprünge auf. Das Problem konnte schließlich durch die Errichtung starker Pfeiler und durch Vorblendung einer Aufmauerung behoben werden. 1570, nachdem die teilweise zu hoch aufgeführten Brustwehren und Kasematten abgebrochen werden mussten, war die Ungarbastei endlich weitgehend fertig gestellt. Ihre Schießscharten, Gewändesteine und Hausteinkanten stammten überwiegend von Meister Peter de Lantio, der den Steinbruch in Schildbach betrieb. Die beiden Wappensteine, die die Ungarbasteikanten zierten, wurden hingegen vom Bildhauer Baptista Rippa aus Lugano angefertigt, der hierfür 140 Pfund Pfennig kassierte.

Wachthaus als Baumeister-Wohnhaus

1573 verfügte der neue Superintendent Jeronimo Arkanat, dass man den inwendigen Platz der Bastei einebne, damit dort Geschütze auffahren können. Damals wurden auch von Meister Dominicus von Kham (Cam) das Wachthaus und der Brunnen errichtet. Besagtes Wachthaus war 1584 dann vom inzwischen zum landschaftlichen Polier aufgestiegenen Francesco Marmoro in Beschlag genommen worden, das er zu Wohnzwecken bei seinen seltenen Aufenthalten in Fürstenfeld nutzte und dort auch sein Werkzeug einlagerte. Die Beschwerde der Stadtgemeinde, die sich in der Ausübung der Wacht verhindert sah, fruchtete wenig, denn noch drei Jahre später hatte sich nichts an der Situation geändert. Einzig Francesco Marmoro war inzwischen zum Superintendent und damit obersten Baumeister avanciert. Bei der Besichtigung 1663, als die Befestigungen aufgrund der massiven Türkengefahr instand gesetzt werden mussten, wurde festgehalten, dass die Ungarbastei gut gebaut ist. Allerdings wären die Kasematten auszubessern, die bereits zugemauerten (!) Schießscharten wieder zu öffnen und die Geschützstände herzurichten.

Kasematten als Luftschutzbunker

Nach Auflassung der Festung im Jahre 1775 gelangte auch die Ungarbastei in Privatbesitz und wurde zu einem Garten umgestaltet. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Kasematten der Ungarbastei zu Luftschutzbunkern umfunktioniert und erhielten damit kurzfristig ihre Schutzfunktion zurück. Während der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde dann die Ungarbastei, die heute den beeindruckendsten Teil der Fürstenfelder Festungsanlagen bildet, einer kompletten Sanierung unterzogen.

Bitte beachten Sie: Der Bunker in der Ungarbastei kann nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden.


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