Station 01: Pfeilburg / Startpunkt

Die erste markgräfliche Burg in Fürstenfeld im Bereich der ehemaligen Tabakfabrik (Schloss am Stein) wurde um 1170 erbaut und diente der Sicherung der nach Osten auslaufenden Täler der Feistritz, Rittschein und Ilz. Der im Anschluss an diese einfache Burg entstandene Straßenmarkt wurde im Laufe des 13. Jahrhunderts aufgrund seiner wehrtechnisch günstigen Lage auf der zur Feistritz steil abfallenden Terrasse zu einer Grenzstadt ausgebaut und durch eine mit Wohntürmen verstärkte Ringmauer geschützt. Gemeinsam mit anderen Grenzstädten wie Radkersburg, Hartberg und Friedberg und den zahlreichen oststeirischen Burgen sollte Fürstenfeld der Sicherung der Ostgrenze des Landes dienen, die immer wieder von den Magyaren bedroht wurde. Zu einer weit größeren Gefahr für die österreichischen Länder wurden jedoch zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Türken. Da die mittelalterlichen Befestigungsanlagen den wehrtechnisch geänderten Ansprüchen nicht mehr entsprachen, ordnete König Ferdinand I. auf Drängen der Landstände hin die Neubefestigung von Graz und der Grenzstädte an. Der Tessiner Baumeister Domenico dell’Allio, „seiner römischen Majestät oberster Baumeister“ und berühmt als Erbauer des Grazer Landhauses, wurde vom Landesfürst mit der Gesamtleitung des umfangreichen Festungsbauprogrammes in der Steiermark betraut. Die Fürstenfelder Neubefestigung zwischen 1556 und 1581 folgte im Wesentlichen den mittelalterlichen Stadtmauern und konnte wegen ständiger finanzieller Schwierigkeiten aufgrund des chronischen Geldmangels der steirischen Landschaft nur in einer Minimallösung ausgeführt werden. Man konzentrierte sich vorerst auf den Bau von flankierenden Bastionen, um zumindest die dringendsten fortifikatorischen Notwendigkeiten einer zeitgemäßen Stadtbefestigung erfüllen zu können. Bei einer Überprüfung der Fürstenfelder Befestigungsanlagen in den 1650-er Jahren aus Anlass der neuerlichen Bedrohung durch die Türken wurden daher zahlreiche Mängel festgestellt, für die der kaiserliche Oberingenieur Martin Stier Verbesserungsvorschläge ausarbeitete. Durch das Herannahen des türkischen Heeres im Jahr 1663/64 konnten jedoch nur zwei dieser Mängel beseitigt werden. Die Errichtung eines Bollwerkes samt Erhöhung durch einen Kavalier an der südlichen Langseite vor der Pfeilburg sowie der vollständige Abbruch der Grazer Vorstadt mit dem Falbenhauptschen Schloss brachten die letzten Veränderungen der Fürstenfelder Stadtbefestigung.

In den folgenden Jahrzehnten, besonders nach 1683, wurden die Bautätigkeiten an der Befestigung wieder eingestellt und man nützte die Anlagen zivil, v.a. als Gärten. Im Jahr 1727 wird berichtet, dass die Bastionen und Stadtmauern von Fürstenfeld immer mehr zerfielen und die Stadt keinerlei Widerstand gegen einen Feind leisten könne. Im Jahr 1775 kam es schließlich zur Auflassung der Festung; Teile der Anlagen wurden im Zuge der Stadterweiterung verbaut oder ganz abgetragen, viele markante Teile sind jedoch heute noch erhalten.

Die Pfeilburg ist der einzige erhaltene Teil der mittelalterlichen Ringmauer, die im 13. Jahrhundert im Zuge der Erweiterung der Stadt zu deren Sicherung errichtet wurde. Als Verstärkung dieser Mauer dienten Türme, die zum Großteil reine Verteidigungsanlagen blieben, vereinzelt aber im Lauf der Zeit zu Ansitzen ausgebaut wurden. Die Südseite der Stadt war aufgrund der topographischen Gegebenheiten besonders gefährdet, und deshalb wurde die südliche Ringmauer durch fünf nachweisbare Türme und einen weiteren anzunehmenden Eckturm hinter der heutigen Ungarbastei geschützt. Der gotische Mittelturm hat sich bis heute im Verband der Pfeilburg erhalten. Er dürfte bereits im Jahr 1480, als die ungarischen Truppen des Matthias Corvinus Fürstenfeld einnahmen und für zehn Jahre besetzten, ausgebrannt und eine rauchgeschwärzte Ruine gewesen sein. Der Turm wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts von den Besitzesnachfolgern des Hans Pehlberger (Pfeilberger), Jörg Slätlen (Schlattl) und Jörg Dunglfinger, wieder aufgebaut und nun als „Schwarzturm“ bezeichnet – entweder weil er ausgebrannt war oder weil man Pulver darin lagerte. Im Jahr 1550 gelangte er in den Besitz des Max Ruepp, der größere Um- und Neubauten durchführen ließ. Vermutlich entstand damals das westlich an den Turm anschließende Wohngebäude mit dem Erker. Ab 1558 durfte Max Ruepp sein Anwesen „Pfeilberg“ nennen und dies auch seinem Namen anfügen. Die Belehnung mit dem Freihaus Pfeilberg, Turm und Haus in der Ringmauer, erfolgte im Jahr 1579. Bereits drei Jahre später erwarb Jonas von Wilfersdorf das Freihaus. Nach einer wechselvollen Besitzgeschichte kam der Turm Pfeilberg im Jahr 1691 über das Stift Pöllau an Johann Christoph Liscutin. Dieser richtete hier – offensichtlich wegen der Nähe zu den ungarischen Tabakanbaugebieten – die erste Tabakverarbeitung Österreichs ein und ließ zu diesem Zweck den nordöstlichen Trakt anbauen. Weitere Zu- und Umbauten folgten. Nach dem Tod des Joseph Anton von Liscutin im Jahr 1725 erwarb der Magistrat Fürstenfeld das Freihaus samt seinen Gärten aus der Konkursmasse und vermietete es; die Tabakfabrik war in dessen Räumlichkeiten bis zum Jahr 1780 untergebracht. Danach wurde das Gebäude als Schule, Kaserne (zur Unterscheidung von der „Platzkaserne“ am Hauptplatz  als „Fabrikskaserne“ bezeichnet), 1814 als Militärspital und schließlich zur Armenversorgung verwendet.

Heute Kruzitürken- und Tabakmuseum

Der langjährigen Initiative des Fürstenfelder Museumsvereines ist es zu verdanken, dass dieser älteste Profanbau der Stadt, der mittlerweile als Pfeilburg bezeichnet wurde, gerettet und renoviert und schließlich 1999 seiner neuen Bestimmung als Kruzitürken- und Tabakmuseum übergeben werden konnte.


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